29.06.2026
Autor: Khoa Nguyen
Letztes Jahr war ich an den Magnolia DevDays und habe über KI-Integrationen, das neue AdminCentral und Rendering-Strategien geschrieben. Dieses Jahr war ich wieder dabei, und neben allem Inhaltlichen ist es immer wieder eine echte Freude, all die Personen, mit denen man sonst nur digital zu tun hat, persönlich zu treffen und sich auszutauschen. Man kommt jedes Mal mit einem Kopf voller Ideen und Einsichten zurück, die sich dann auch direkt in die Arbeit mit den Kundenprojekten einfliessen lassen.
Was folgt, sind meine persönlichen Einsichten aus den Talks, die ich besucht habe. Was den Inhalt betrifft: richtig grosse Überraschungen gab es dieses Jahr nicht. Vieles, was präsentiert wurde, kannte ich bereits vom letzten Jahr. Bei einer Plattform wie Magnolia ist das aber auch nicht ungewöhnlich. Wenn man ehrlich ist: Magnolia ist ein grosses Monolith mit entsprechendem Legacy-Rucksack, der sauber abgebaut werden muss, während gleichzeitig das Produkt weiterentwickelt wird. Dazu kommt, dass parallel auf so vielen Streams (innovativ) gearbeitet wird: Infrastruktur, Cloud Services, Author Experience, Storage Layer und vieles mehr. Das kostet Zeit, und das sieht man auch. Dennoch gab es Dinge, die mich wirklich interessiert haben, und einen Vorgeschmack auf das, was kommt, der mich gespannt zurücklässt.
6.4 ist nicht das grosse Ding (für uns zumindest)
Magnolia kündigt gross 6.4 an und dass 6.4 die Zukunft ist und neue Features künftig nur noch dort erscheinen werden. Das ist eine berechtigte Ansage, und wer noch auf 6.2 oder 6.3 sitzt, sollte sich wirklich bewegen oder uns kontaktieren. Aber sind wir ehrlich, 6.4 Features kennen wir bereits seit letztem Jahr und 6.4.0 wurde auch schon letztes Jahr released. Wir sind mittlerweile bereits bei 6.4.7.
Für unsere Kunden bei jls ist das zum Glück kein Drama. Den Grossteil haben wir schon auf 6.4 migriert, das war eine bewusste Entscheidung, die sich jetzt auszahlt. Die meisten «Neuigkeiten» rund um 6.4 hatten wir letztes Jahr an den DevDays schon gehört, insofern war das dieses Jahr eher eine Wiederholung als eine Ankündigung.
KI: Von Hyperprompts zur Agentic Era.
Was mich bei diesem Thema am meisten beschäftigt, ist nicht ein einzelnes Feature von Magnolia, sondern das Tempo der KI-Entwicklung generell. Was vor einem Jahr noch als grosses Highlight auf Konferenzen gezeigt wurde, wirkt heute schon fast überholt. Ein Textfeld per KI befüllen, eine SEO-Beschreibung generieren, einen Textstil anpassen: das war 2025 aufregend. Heute ist es einfach Standard bzw. «veraltet».
Magnolia muss diesen Wandel mitgehen, wie alle anderen Plattformen auch. Und ich habe den Eindruck, dass sie es richtig machen! Letztes Jahr drehte sich alles um einzelne, isolierte KI-Aktionen. Dieses Jahr spricht Magnolia von agentic AI: Du definierst eine komplexere Aufgabe, und das System arbeitet sie selbständig in mehreren Schritten durch, ohne dass du jeden Zwischenschritt von Hand anstossen musst.
Zur Frage, welches KI-Modell dafür verwendet wird, bleibt Magnolia beim bewährten BYOK-Prinzip: Bring Your Own Key, kein Lock-in auf einen bestimmten Anbieter. Sie vertreten sogar die Meinung, dass für verschiedene Aufgaben verschiedene Modelle besser geeignet sind. Für Übersetzungen ein anderes als für komplexes Reasoning. Das ist pragmatisch gedacht und macht in der Praxis absolut Sinn.
Der MCP Server.
Für die Entwicklung war das wohl einer der konkreteren und lang erwarteten Punkte: Magnolia hat einen eigenen MCP Server und stellt auch curated AI Skills zur Verfügung.
Konkret bedeutet das, dass eine KI wie Claude über den MCP Server direkt mit Magnolia interagieren kann. Durch die mitgelieferten Skills weiss sie, wie man Magnolia-Projekte nach Best Practice aufbaut, also «the Magnolia way», ohne dass man ihr das erst mühsam beibringen muss. Das spart Zeit und reduziert Fehler, die entstehen, wenn KI-Tools einfach anhand von Web Research raten, wie ein Framework funktioniert. Wer das schon mal erlebt hat, weiss wovon ich rede.
Das eigentliche Highlight: Der neue Visual Editor.
Jetzt komme ich zu dem, weswegen ich diesen Beitrag mit «Das Beste kommt noch» angefangen habe.
Magnolia hat eine Preview des neuen Page Editors gezeigt, und der ist wirklich ein anderes Kaliber als der heutige Page Editor. Kein Popup-Dialog mehr, um Inhalte zu bearbeiten, keine grünen Balken, keine Unterbrechung des Flows. Du schreibst einfach direkt auf der Seite, inline, so wie man es eigentlich immer erwartet hätte bzw. von anderen Plattformen kennt. Dazu gibt es Undo und Redo, lokal, ohne zu speichern. Angeblich soll auch ein kollaboratives Arbeiten ermöglicht werden, wie man es z.B. von FigJam kennt.
Verfügbar ist das noch nicht dieses Jahr, aber was ich gesehen habe, hat mich wirklich überzeugt. Das wird der grösste UX-Sprung für Content-Autor:innen in Magnolia seit langer Zeit.
AdminCentral in React.
Seit letztem Jahr bekannt, aber es wird konkreter: Das AdminCentral wird in React neu aufgebaut und ist WCAG-konform (Accessibility). Zusätzlich liefert Magnolia das dazugehörige Design System, das man beim Bauen von eigenen Interfaces direkt wiederverwenden kann. Für Entwickler:innen ist das eine gute Nachricht, weil Custom Views damit deutlich einfacher und effizienter umzusetzen sind als bisher. Für Kunden bedeutet das in Zukunft massgeschneidertere Backends, die sich nahtloser in die Magnolia-Welt einfügen, ohne dass wir alles von Grund auf entwickeln lassen müssen.
Die Zukunft der DX Cloud.
Die Magnolia DX Cloud kennen wir gut: ein mächtiges Rundum-Angebot mit CDN, Firewall, hochverfügbarer Infrastruktur, Monitoring und vielem mehr, alles aus einer Hand. Für Kunden, die eine global skalierende, hochperformante, redundante und sichere Plattform suchen, ohne sich selbst um den Betrieb kümmern zu wollen, ist das nach wie vor ein überzeugendes Angebot.
Was bisher fehlte, war Flexibilität für Situationen, in denen das nicht geht. Aus regulatorischen Gründen können manche Kunden das DX-Cloud-Angebot in dieser Form nicht nutzen. Magnolia adressiert das jetzt mit einem Hybrid-Cloud-Modell: Der Kunde kann bestimmte Teile selbst übernehmen, etwa die Bereitstellung der Infrastruktur, während Magnolia den Betrieb beisteuert. In der konsequentesten Ausprägung betreibt Magnolia sogar die gesamte Applikation, und der Kunde konzentriert sich ausschliesslich auf die Inhaltserstellung. Ich denke, das trifft eine wichtige Nische. Solche Anforderungen sind uns in Ausschreibungen bereits mehrfach begegnet.
Dahinter stecken auch substanzielle Verbesserungen auf Infrastrukturebene, die die gesamte Plattform stabiler, einfacher und schneller machen sollen. Und diese Grundlagenarbeit soll wahrscheinlich nebenbei auch Magnolia SaaS als ernsthaftes Marktangebot zurückbringen. Aber ehrlich gesagt: Das Magnolia SaaS Thema war schon seit über drei Jahren ein Thema. Ob es diesmal wirklich kommt und Anklang findet, wird die Zeit zeigen
Vector Database.
Magnolia kündigt eine Vector Database an, die semantische Suche ermöglicht. Ich hoffe, dass das eines Tages dazu führt, dass die Magnolia-Suche out-of-the-box gut genug ist, ohne externe Dienste wie Elasticsearch oder Solr einbinden zu müssen. In Projekten war das immer wieder ein Thema, weil die native Suche schlicht nicht gereicht hat. Ob das die Lösung wird, bleibt abzuwarten, aber die Stossrichtung ist richtig.
My personal verdict.
Magnolia NEXT 2026 war für mich keine Konferenz der grossen Überraschungen, aber eine mit einem klaren Kurs. KI wird tiefer integriert, die Developer Experience verbessert sich schrittweise, und der neue Editor wird das Authoring-Erlebnis grundlegend verändern, sobald er verfügbar ist. Die offene Frage bleibt, ob Magnolia die vielen angekündigten Konzepte auch wirklich in vernünftiger Zeit liefern kann.
Ach ja, eine Kleinigkeit am Rande: Bei 37 Grad Aussentemperatur konzentriert auf Vorträge zu achten, war durchaus eine eigene Herausforderung. Ein grosses Lob an alle Presenter, die das trotzdem souverän hinbekommen haben. Und das jls Team? Das hat sich spätabends mit einem Sprung in den Rhein abgekühlt. See you next year!
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FAQs
Was ist neu an Magnolia 6.4?
6.4 ist die künftige Hauptversion von Magnolia, neue Features erscheinen nur noch dort. Bei jls haben wir den Grossteil unserer Kundenprojekte bereits auf 6.4 migriert, für uns ist das also kein neues Thema mehr.
Was kann der neue Visual Editor von Magnolia?
Er erlaubt Inline-Editing direkt auf der Seite, ohne Popups und ohne Unterbrechung des Arbeitsflusses. Dazu kommen lokales Undo und Redo sowie geplante kollaborative Bearbeitung. An der NEXT 2026 wurde eine Preview gezeigt, verfügbar ist er noch nicht.
Was bedeutet agentic AI bei Magnolia?
Statt einzelner, isolierter KI-Aktionen definierst du eine komplexere Aufgabe, und das System arbeitet sie selbständig in mehreren Schritten ab. Welches KI-Modell zum Einsatz kommt, bleibt dank BYOK-Prinzip dir überlassen.
Was ist ein MCP Server im Magnolia-Kontext?
Über den MCP Server kann eine KI wie Claude direkt mit Magnolia interagieren. Mitgelieferte Skills sorgen dafür, dass Projekte nach Best Practice aufgebaut werden, ohne dass man der KI das mühsam beibringen muss.
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