Larissa Renggli
Interaction Design
KI generiert Layouts, schreibt Texte und liefert in Sekunden dutzende Interface-Varianten. Trotzdem ist gutes Design heute nicht weniger menschlich als vor zehn Jahren, es ist nur anders menschlich. Entscheidend ist nicht, was KI übernehmen kann, sondern wo sie echten Sinn macht und wo der Mensch schlicht unersetzbar bleibt.
Bei jls beschäftigen wir uns intensiv mit dieser Verschiebung und stellen uns hierbei die Praxisfrage: Wie verändert KI die Arbeit im Interaction Design und was bleibt davon unveränderlich menschlich?
Was KI im Design wirklich leisten kann.
KI ist kein Hype-Thema mehr, sondern sie ist ein produktives Werkzeug, wenn man weiss, wofür man sie einsetzt. Laut HubSpot Labs (2025) geben 77% der Agenturen, welche KI im Designprozess einsetzen, an, dass sich der zeitliche Aufwand um 36% verringert habe. Im Design gibt es also klare Bereiche, in denen KI Prozesse messbar beschleunigt:
- Iteration und Exploration: Was früher drei Varianten bedeutete, sind heute dreissig. KI erlaubt es, Richtungen schnell zu testen und Ideen visuell zu explorieren, ohne dafür unverhältnismässig viel Zeit zu investieren. Der kreative Entscheid – welche Variante richtig ist und warum – bleibt jedoch bei den Designer:innen.
- Recherche und Analyse: Wettbewerbsanalysen, Heuristic Reviews, Moodboards, Trendrecherchen: Alles, was strukturierbar ist und keine tiefe Interpretationsleistung verlangt, lässt sich heute teilweise automatisieren. Das schafft Raum für das, was wirklich zählt.
- Dokumentation und Übergaben: Repetitive Aufgaben wie Spezifikationen oder Handoff-Beschreibungen für die Entwicklung, die bisher viel Zeit gefressen haben, können heute von KI übernommen oder zumindest vorbereitet werden.
- Textentwürfe und Content-Inhalte: Erste Versionen von Interface-Texten, Fehlermeldungen oder Onboarding-Flows entstehen schneller. Die Feinjustierung hinsichtlich Tonalität, Markenstimme sowie Nuancen im Ausdruck bleibt Designaufgabe.
Was all diese Bereiche gemeinsam haben: KI übernimmt das Vorhersehbare. Sobald Kontext, Urteilsvermögen oder menschliches Verständnis gefragt sind, ändert sich das Bild grundlegend.
Wo der Mensch unersetzlich bleibt.
Gutes Design entsteht im Spannungsfeld zwischen Menschen, nicht zwischen Algorithmen. Daran ändert auch die leistungsfähigste KI nichts.
Empathie lässt sich nicht automatisieren
Ein Nutzergespräch zu führen, die leisen Signale zu lesen, wenn jemand sagt «eigentlich funktioniert es schon», obwohl die Körpersprache etwas anderes verrät, das ist menschliche Wahrnehmung. KI wertet reine Transkripte aus. Sie versteht nicht, was zwischen den Zeilen steht.
Kontextverständnis und Verantwortung gehören zusammen
Gutes Design entsteht im Tandem zwischen Nutzererwartung, Geschäftsziel und technischer Realität. Wer diese Abwägung trifft, muss sie auch verantworten können. Das bleibt menschliche Aufgabe.
Kreative Vision braucht Haltung
Ein Design, das wirklich etwas aussagt, kommt aus einer Perspektive. Es reflektiert Werte, Prioritäten und Standpunkte. KI optimiert für das Wahrscheinlichste – nicht für das Richtige.
Vertrauen lässt sich nicht delegieren
Stakeholder:innen zu überzeugen, Widerstände abzubauen sowie ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln, ist soziale und kommunikative Kompetenz, die sich nicht delegieren lässt.
Das eigentliche Spannungsfeld: Qualität vs. Effizienz.
KI macht Designprozesse schneller. Das klingt gut, birgt aber gleichzeitig eine Gefahr.
Wenn sich Arbeit schneller erledigen lässt, steigt der Druck, mehr davon zu tun. Aber mehr Output bedeutet nicht gleichzeitig besseres Design. Tiefe braucht Zeit: Nutzendentests brauchen Auswertung. Konzepte brauchen Überprüfung. Gute Lösungen brauchen kritisches Nachdenken.
Der entscheidende Punkt: KI-Effizienz ist nur dann ein echter Gewinn, wenn die gewonnene Zeit in Designtiefe fliesst. In echte Nutzendenforschung, in konzeptionelles Denken, in kritische Bewertung. Wird sie stattdessen einfach mit mehr Output gefüllt, produziert man nur schneller Mittelmässiges.
Welche Design-Skills in der KI-Ära wichtiger werden.
Entscheidend ist nicht, ob KI Designprozesse verändert, sondern: Welche menschlichen Fähigkeiten werden dadurch in Zukunft noch mehr zählen als heute?
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Kritisches Urteilsvermögen wird wichtiger. Wer KI-Output unreflektiert weitergibt, produziert Mittelmässiges in hoher Geschwindigkeit. Wer ihn bewertet, kuratiert und gezielt verbessert, ist stärker als je zuvor.
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Systemdenken gewinnt an Bedeutung. Zu verstehen, wie ein Design in grössere Zusammenhänge passt – technisch, organisatorisch, nutzungsbezogen – ist eine Kompetenz, die KI nicht abbildet.
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Co-Creation und Kommunikation werden zentraler. Designer:innen als stille Produzent:innen werden seltener. Designer:innen als Gesprächspartner:innen, Moderator:innen und strategische Sparringpartner:innen werden wertvoller.
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Prompt Engineering ist eine Designkompetenz. Wer KI-Tools wirksam einsetzt, braucht Klarheit darüber, was er will und die Fähigkeit, dies präzise zu formulieren. Das ist designerisches Denken in anderer Form.
Was das für die Praxis bedeutet.
KI verändert, wie wir Design-Arbeit erledigen. Sie verändert nicht, wofür wir es tun. Der Kern guten Designs – Verstehen, Empathie, Urteilsvermögen, Verantwortung – bleibt menschlich.
Was sich verändert, ist die Erwartung: Designer:innen müssen besser werden in dem, was KI nicht kann. Das bedeutet gezielte Investitionen in echte Nutzendenforschung, in strategische Konzeption und in kommunikative Stärke.
KI ist ein mächtiges Werkzeug, kein Ersatz für Urteilsvermögen. Und was wir brauchen, mehr denn je, ist ein klares Verständnis davon, was gutes Design wirklich ausmacht.
FAQs.
Wie verändert KI den Alltag von Designer:innen konkret?
Alles geht viel schneller: Das klingt nach Entlastung, ist aber gleichzeitig eine Herausforderung. Designer:innen müssen besser werden in dem, was KI nicht kann. Kritisches Urteilsvermögen, Systemdenken, Co-Creation oder Prompt Engineering gewinnen an Bedeutung.
Wie kann KI effizient in Arbeitsprozesse integriert werden?
Es gibt klare Bereiche, in denen KI Prozesse messbar beschleunigt: Iteration und Exploration, Recherche und Analyse, Dokumentation und Übergaben sowie Textentwürfe und Content-Inhalte. Gutes Design entsteht jedoch im Spannungsfeld zwischen Menschen, daran ändert sich auch künftig nichts.
Welche Gefahren birgt der Einsatz von KI im Designprozess?
Es öffnet sich ein Spannungsfeld zwischen Qualität und Effizienz. Mit KI können grössere Mengen an Output generiert werden. Der Entscheid darüber, ob die Qualität dieses Outputs ausreichend ist, muss aber zwingend durch Menschen gefällt werden. Gute Lösungen brauchen kritisches Nachdenken.
Interessiert an einem Austausch zum Thema «Interaction Design mit KI»?
Schreib Larissa:
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Mehr Design bei jls.
Referenz «Betty Bossi.»
Blogbeitrag «Content-Erstellung ist demokratisiert. Urteilsvermögen nicht.»